BSW Brandenburg an einem Tisch – ein Arbeitssamstag in Großbeeren
Brandenburg ist ein weites Land. Wer es am Samstag mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchqueren möchte, lernt außer seiner Geographie auch die Geduld kennen. Mit dem Auto liegt Großbeeren recht günstig.
Dennoch waren die rund fünfzig Teilnehmer rechtzeitig da: Vertreter der BSW-Kreisverbände aus ganz Brandenburg und Mitglieder des Landesvorstands, zusammengekommen zur Kreisvorständekonferenz am 26. September. Aus der Prignitz, aus der Uckermark, aus der Lausitz, aus dem Havelland, aus Potsdam …
Wir, vom Kreisverband Potsdam waren stark vertreten: mit Prof. Anke Uhlenwinkel und Dr. Andrej Tchernodarov als Mitgliedern des Landesvorstands sowie Karsten Goletz und Wolfram Meyerhöfer aus dem Kreisverbandsvorstand. Vier Potsdamer in einer Runde, in der die Erfahrungen aus dem ganzen Land zusammenkamen.
Das Haus ist als „Zapfwerk“ in Großbeeren bekannt. Ein Ort, an dem Geschichte noch atmet. Früher hieß es „General von Bülow“. Solche Häuser wechseln ihre Namen und behalten ihre Aufgabe: Menschen einzulassen, die etwas miteinander zu besprechen haben. Man hat hier gefeiert, gestritten, Vereinsleben gepflegt. An diesem Samstag wurde fleißig gearbeitet.
Großbeeren kennt sich mit Geschichte aus. Sie steht hier in Gestalt von Denkmälern am Wege. Im Saal beschäftigte man sich mit jener weniger monumentalen Arbeit, aus der vielleicht einmal Geschichte wird.
Um 14 Uhr eröffnete die Landesvorsitzende Friederike Benda die Versammlung. Keine großen Reden, keine Pathosformeln. Ein Arbeitstreffen. Ein Treffen, bei dem die Kreise zu Wort kamen, ihre Themen einbrachten, ihre Nöte schilderten – und gemeinsam überlegten, wie eine Partei, die erst seit gut zwei Jahren existiert, ihren Anspruch weiterträgt, eine echte Bewegung zu sein.
Die Kreisverbände brachten ihr Brandenburg mit. Denn ein Bundesland sieht auf einer Karte einheitlicher aus als im täglichen Leben. Jeder Kreis hat seine Entfernungen, seine Sorgen, seine Erfahrungen mit Zuspruch und leider nicht selten auch mit Enttäuschung. Was vor Ort die Menschen bewegt, gelangt nicht von selbst bis zum Landesvorstand. Es braucht jemanden, der es mitbringt. Und auf der anderen Seite jemanden, der es hören will.
Es war eine Litanei der Sorgen, aber keine der Verzweiflung. Denn zwischen all den Problemen klang immer wieder etwas anderes durch: der Wille, etwas zu verändern. Die Überzeugung, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Und die Erkenntnis, dass man nicht allein ist.
Gesprochen wurde über die Arbeit in den Kreisen, über die Themen, die dort drängen, und über das, was eine junge Partei zusammenhält. Hinter den organisatorischen Fragen steht ein sehr menschlicher Alltag: Menschen übernehmen Verantwortung, erledigen nach Feierabend noch etwas und geben ein Stück ihres Wochenendes her.
Eine politische Überzeugung braucht auch Ausdauer und einen gut geführten Terminkalender.
Zum Rückblick gehörten die jüngsten Wahlen im Osten. Wahlergebnisse besitzen die Eigenschaft, genauer zu sein als die Hoffnungen, die ihnen vorausgingen. Danach beginnt das Fragen: Was hat die Menschen erreicht? Wo blieb man hinter den Erwartungen zurück? Was lässt sich lernen? Eine Partei muss diese Fragen aushalten und gemeinsam nach Antworten suchen.
Unter dem Strich zog die Runde mit Blick auf die Nachbarländer Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin eine positive Bilanz, bei aller Enttäuschung über unerfüllte Erwartungen. Für eine junge Partei, die ihrem Alter nach eigentlich noch unter dem Tisch herumkrabbeln dürfte, können sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen. Die politische Welt verlangt freilich schon den aufrechten Gang.
Ab dem 1.oktober trägt die Partei offiziell den Namen – Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft
Viel Aufmerksamkeit galt der Zusammenarbeit zwischen den Kreisen, dem Landesvorstand und der Fraktion, die ebenfalls mit fünf Mitgliedern stark vertreten war. Was wird gebraucht? Welche Unterstützung ist möglich? Für diejenigen, die vor Ort Verantwortung tragen, entscheidet sich daran, ob eine gute Idee Unterstützung findet und aus einer Aufgabe gemeinsame Arbeit wird.
Auch die Krisen der vergangenen Zeit kamen zur Sprache – Erfahrungen, die jungen wie längst etablierten Parteien nicht erspart bleiben. In einigen Kreisverbänden standen neue Vorstandswahlen und Mitgliederversammlungen bevor, in anderen hatten sie gerade stattgefunden. Es galt, die gemeinsame Arbeit weiterzuführen und ihr neuen Schwung zu geben.
„2029 beginnt heute“ lautete ein weiterer Gedanke dieses Nachmittags. Ein ferner Wahltermin, könnte man meinen. Doch Vertrauen hat seine eigene, langsame Zeitrechnung. Wer kommunalpolitisch etwas aufbauen will, muss lange vor den Plakaten anfangen.
Bis neunzehn Uhr wurde offiziell gearbeitet. Für viele ging das Gespräch danach weiter. Eine Tagesordnung kann man abschließen; die Gedanken halten sich weniger genau an die Uhr. Und manches, wofür im Sitzungsablauf nur wenige Minuten bleiben, findet erst anschließend die nötige Zeit.
Draußen lag Brandenburg, weit wie am Morgen. Die Heimwege führten wieder auseinander, in die verschiedenen Kreise und zu den Aufgaben, die dort warteten. Für einige Stunden aber hatte dieses weite Land an einem Tisch gesessen. Das BSW Brandenburg hatte zugehört, diskutiert und an seiner weiteren Arbeit gebaut.
Wir Potsdamer waren mittendrin.
